Kindersicherheit – Brennpunkt Küche

Die Küche…für uns Erwachsene im Alltag oft der zentrale Raum im Haus, Haupttreff-, Arbeitspunkt und gemeinsamer Aufenthaltsort…

…für kleine Kinder, besonders Babys, einer der Unfallschwerpunkte im Haushalt. Große Möbel, hohe Schränke, uneinsichtbare Ecken, laute Geräusche, neue Gerüche, spannende Schubladen, interessante Geräte. Überall bewegt sich etwas, riecht, brutzelt, dampft. Es ist nur natürlich, dass Kleinkinder neugierig alles erkunden, was für sie in der „Riesenküche“ neue Erfahrungen vermuten lässt und Abenteuer birgt. Leider lauern hier – von uns oftmals unbemerkt – die Hauptgefahren. Babies und Kleinkinder möchten erforschen, lernen. Ein Gefahrenbewusstsein haben sie noch nicht. Das entwickelt sich erst mit dem Vorschulalter. Die typischen und oftmals lebensgefährlichen Verletzungen aus der Küche wie Verbrennungen, Verbrühungen, Schnittwunden, Vergiftungen usw. können jedoch in den meisten Fällen vermieden werden. Dabei gilt es nicht nur genau hinzusehen, sondern natürlich auch die Sicherheit der Küche stets an das Alter und die Entwicklungsstufen der Kinder anzupassen.

Ich sehe was, was du nicht siehst…

Die oberste Regel ist natürlich: kleine Kinder – egal welcher Entwicklungsstufe – sollten nie unbeaufsichtigt in der Küche gelassen werden.

Und einfache Verbote wie „an diese Schublade darfst Du nicht ran“ oder „nein, fass das nicht an, das macht aua“ sind auch nicht wirklich zielführend, da sie eigentlich eine direkte Aufforderung für das Kleinkind darstellen…natürlich erscheint genau jene Schublade oder jener Gegenstand dann umso interessanter! Schubladen kann man einfach umzusortieren und dabei besondere Kinderschubladen schaffen, z. B. nur mit Behältern, Geräten und Besteck befüllen, mit denen Kleinkinder auch spielen dürfen. Dabei sollte diese neue Kinderschublade nach Möglichkeit nicht direkt in der Nähe von weiteren Gefahrenquellen geschaffen werden, also nicht unter oder neben einem Backofen, der zeitgleich mit dem Spiel evtl. heiß sein könnte. Warum das Kleinkind manchmal dann nicht mit dem Inhalt spielen darf, nämlich wenn der Backofen an ist, wird es nur schwer verstehen.

Ändere einfach Deinen Blickwinkel und begib Dich auf die Augenhöhe Deines Kindes. Wie nimmt mein Kleinkind die Küche gerade wahr, was sieht es, was könnte von Interesse sein? Frage Dich auch, was das Kind nicht sieht, aber neugierig vermuten könnte. Ein Pfannenstiel, der scheinbar achtlos über den Herd ragt, ist sicherlich sehr interessant. Was da wohl dran sein könnte an dem Stiel? Es ist so verlockend einfach daran zu ziehen. Das Kleinkind kann noch nicht abschätzen, dass darin vielleicht heißes Essen vor sich hin braten könnte, weil der Herd gerade an ist und es gleich essen gibt….und natürlich auch nicht, dass das heiße Essen fürchterlich schmerzhaft sein könnte, wenn es mitsamt der Pfanne auf das Gesicht des Kleinkinds fällt. Gekocht werden sollte möglichst auf den hinteren Herdplatten, die Pfannenstiele nach hinten gedreht, ggf. kann man auch Herdschutzgitter anbringen.

Gefährliche Geräte, wie z. B. Wasserkocher, Kaffeemaschine, Fritteuse etc. gehören selbstverständlich außerhalb der Reichweite von Kindern aufgestellt, entweder weit hinten auf der Arbeitsfläche oder am besten im Schrank sicher verstaut. Lose Kabel sollten niemals von der Arbeitsfläche runterhängen.

Backöfen sind besonders interessant durch das Licht, die Geräusche, die Wärme, die sie ausstrahlen und deren Inhalt, der da brutzelt. Dafür gibt es natürlich auch speziellen Backofenfenster-Schutz, der Verbrennungen an kleinen Fingern etc. verhindert. Tatsächlich werden allerdings heutzutage zum Glück die neueren Backöfen an der Glasscheibe außen nicht mehr so heiß, dass Kinder sich schwere Verbrennungen zuziehen könnten. Unangenehm heiß ist es zumeist schon, aber birgt keine nachhaltige Verletzungsgefahr. Teste daher unbedingt Deinen bestehenden Backofen aus. Beim Kauf eines neuen Backofens sollte man darauf achten.

Die Tür der Spülmaschine sollte stets geschlossen gehalten werden, Messer und Scheren sollten nicht offen herum liegen. Schubladen-, Schrank- und Kühlschrank-Schutz kann man natürlich entsprechend anbringen. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch auch sagen, dass all diese Beschränkungen bedeuten, dass die Kleinkinder auch weniger Erfahrungen sammeln können, was nicht förderlich ist für das sich erst langsam entwickelnde Gefahrenbewusstsein. Das Baby oder Kleinkind erhält so gar nicht die Möglichkeit, den Umgang mit diesen gefährlichen Dingen und Situationen zu erlernen, es wird einfach davon „ferngehalten“. Kindersicherheit ist wichtig und gut, übertreiben sollte man dennoch nicht.

Genauso wie es heute erwiesen ist, dass Kleinkinder, die in einem stets super sauberen, geputzten und nahezu sterilen Haushalt aufwachsen, die nie Erde essen oder mal Schnee probieren, wesentlich infektanfälliger sind als Kinder, die auch im Dreck spielen oder nicht bei jeder Kleinigkeit die Hände mit einem antiseptischen Feuchttuch abgewischt bekommen, so ist es auch mit den Erfahrungen in punkto Gefahren und Einschätzung von solchen. Natürlich ist es wichtig und selbstverständlich, dass solche Erfahrungen immer im Zusammenspiel mit den Eltern gemacht werden sollten, die beschützend, aufpassend, erklärend, helfend und motivierend zur Seite stehen.

Die Laufwege sollten möglichst frei gehalten werden, herumstehende Getränkekisten haben in der Küche nichts verloren. Spitze Ecken und Kanten von Möbeln können mit einem Schutz versehen werden. Tischdecken vom Esstisch entfernen, sie animieren Babys und Kleinkinder zum Dranziehen. Da kleine Kinder meistens nicht sehen, was alles auf dem Tisch steht, kann das Runterziehen von Tischdecken fatale Folgen haben. Putz-, Reinigungs-, -Lösungsmittel sollten selbstverständlich unbedingt in einem abschließbaren Schrank gelagert werden, nie offen für Kinder erreichbar herumstehen lassen, am besten in einem hoch angebrachten Schrank unzugänglich aufbewahren, das gilt auch für Spülmittel und Reinigungstabs für die Spülmaschine.

Klettern erwünscht

Offensichtliche Kletter- und somit Sturzmöglichkeiten, wie z. B. Stühle, Kinderhochstühle, Hocker, Tritte etc. bitte unbedingt nicht nur kippsicher aufstellen, sondern möglichst so, dass sie nicht direkt zum Verwenden als „Leiter“ einladen.

Immer öfter sieht man in Küchen und Haushalten sogenannte Learning Tower. Das sind Hocker, die oben zusätzlich ein Schutz- oder Rausfallgitter angebracht haben. So kann das Kleinkind weder seitlich noch nach hinten vom Hocker kippen oder fallen. In der Regel sind die Learning Tower genau so hoch, dass die Kinder bequem auf die Arbeitsfläche reichen und sich am allgemeinen Kochvergnügen beteiligen können. Das ermöglicht den neugierigen und wissbegierigen Kleinkindern einen ganz neuen Blickwinkel, der zudem noch sicher(er) ist.

Win-Win-Situation für Alle

Besonders aufregend und wertvoll ist es für Kleinkinder in vieler Hinsicht, sie in den Küchenalltag miteinzubeziehen. Natürlich geht das auch ohne Learning Tower. Man kann sie altersgemäß nicht nur am Kochen, sondern auch am Aufräumen, Sortieren und am Umgang mit den Küchengeräten beteiligen. So lernen sie nicht nur selbstständiger zu werden, sondern gemeinsam mit den Eltern auch den bewussten Umgang mit potentiell gefährlichen Gegenständen und Utensilien sowie das Verständnis dafür. Sie können sich einbringen, sind aufmerksam, fühlen sich respektiert und „gebraucht“. Schon mit 1,5 Jahren kann ein Kleinkind bereits zusammen mit Mama oder Papa im Kochtopf rühren, Salat waschen oder etwas aus einem Schrank holen, ein 3jähriges Kind kann z. B. durchaus schon Gemüse putzen und unter Anleitung Gurken schneiden oder Karotten schälen. Hier wird gleichzeitig auch viel zur motorischen und sozialen Entwicklung der kleinen Kinder beigetragen. So kocht und lebt es sich in der Küche viel entspannter als Familie, als wenn man kleine Kinder immer von ihrem natürlichen Neugierdetrieb fernhalten muss,
weil man Angst vor potentiellen Verletzungen hat.

Ich habe mich mit mybabyflow darauf spezialisiert, werdenden Eltern oder auch jungen Familien in Bezug auf Kindersicherheit im Haushalt zur Seite zu stehen. Dabei findet auf Wunsch eine persönliche Vorbesprechung, eine ausgiebige Hausbegehung der einzelnen Räume und eine umfangreiche Nachbesprechung statt, bei der alle Gefahrenquellen und Risikofaktoren im Umfeld eingeschätzt und mithilfe anschaulicher Materialien und Checklisten besprochen werden. Dabei erhältst Du außerdem ausführliche Informationen und Ideen an die Hand und kannst im Anschluss bei Fragen weitere Hilfe bei mir über eine Hotline in Anspruch nehmen.

Bald wird es zu diesem Thema auch einen Workshop von mir geben. Wenn Du daran Interesse hast, beobachte einfach meine Website oder mein Facebook Profil, dann kannst Du die Termine und Veranstaltungsorte nicht verpassen.


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